KOMMENTAR: Versunkenes Paradies - Ein Plädoyer für den Garten

7. August 2016, von Fabian HesseEhemaliger_Klostergarten.jpgVielleicht war es so: Adam und Eva wurden aus dem Garten Eden vertrieben, weil sie der Sache auf den Grund gehen wollten. Sie konnten sich nicht mit dem Paradies zufrieden geben, sondern fragten nach dem "Warum". Und so kam es, dass sie eine Antwort erhielten und fortan weiter Fragen stellen und Antworten suchen mussten.

Der Weg von damals bis heute mag als ein Weg der Erkenntnis, der Entwicklung und des Fortschritts bezeichnet werden. Die menschliche Kultur und mit ihr das Bauen haben große "Wunder" hervorgebracht, die den Menschen mitunter viel gekostet haben. Am Ende waren sie aber bisher nie größer als die größten Wunder der Natur, welche allesamt ohne unser Zutun geschaffen wurden.

Hausbau kostet Mühe, Gartenbau gibt Kraft

Was wir uns selbst bauen können und was nur als Geschenk der Natur zu haben ist, lässt sich am Beispiel des eigenen Hauses und dem dazugehörigen Garten gut illustrieren. Der einmalige Hausbau kostet uns Mühe, Zeit und Geld. Am Ende sind wir stolz, aber auch erleichtert, dass es geschafft und vorbei ist. Der fortwährende Gartenanbau bietet uns Entspannung, Nahrung und Ausgleich. Jedes Jahr aufs Neue freuen wir uns auf das Erblühen der Pflanzen, das Wachstum und die Ernte.

Immer weniger Menschen machen die Erfahrung beider Bereiche, des Wohnens in einem Haus und in einem Garten. Wichtig erscheint heute fast nur noch die feste Behausung, das Innenleben ohne Einwirkung und damit – vermeintlich – Abhängigkeit von außen. Doch sind wir damit glücklich?

Ein Garten verpflichtet nicht

Wenn wir nur in einer Umwelt leben, die wir selbst gebaut haben und wofür wir selbst jeden Tag schuften, sei es nun das eigene Haus oder die gemietete Wohnung, sind wir niemandem zu Dank verpflichtet. Gleichzeitig sind wir aber dazu verpflichtet, unser Glück selbst zu schaffen, was, wenn es darum geht, gleich oder schöner und besser zu wohnen als andere, nicht jedem vergönnt und möglich ist.

Der Garten verpflichtet uns im Grunde zu gar nichts. Auch ohne unseren Einsatz wächst dort etwas. Können wir dies beeinflussen, daran teilhaben oder auch nur die Früchte ernten und das Leben darin beobachten, empfinden wir häufig Glück, aber ohne es – weil wir hart dafür gearbeitet haben – zu müssen.

In unseren Städten verschwinden immer mehr Gärten. Was an ihre Stelle gebaut wird, sind Häuser und Straßen, die alle einen klaren Nutzen haben sollen. Im besten Fall sind sie "eine gute Investition" für den Bauherrn.

Steingraben_6a.jpgDoch wir Menschen brauchen nicht nur die geschlossenen Gebäude bzw. die Straßen, auf denen wir mit unseren geschlossenen Autos fahren. Wir brauchen auch die offenen Räume, die Parks, die Gärten und freien Plätze, um uns selbst und anderen darin zu begegnen.

Wieder in kleine Paradiese investieren

Investieren wir wieder mehr in unsere Gärten und damit in unsere "Freiräume". Unsere Kinder, die wir nicht ohne Grund in KinderGÄRTEN schicken, sagen es uns bereits, wo sie sich wohler fühlen. Lernen wir von ihnen und kommen wir wieder mehr aus unserer isolierenden, oft schon zu verbauten und damit engen Art zu leben heraus. Denn ein Garten ermöglicht es uns heute schon, wieder im Paradies zu sein.


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