Gespräch_Teaser.jpgDaniel Fuhrhop, Autor und Blogger aus Oldenburg


von Fabian Hesse / 10. Januar 2017

Daniel_Fuhrhop_in_Aktion.jpgDaniel Fuhrhop hat den eigenen Architekturverlag 2013 verkauft, um seither das Gegenteil, nämlich die Desillusionierung des Neubaus zu betreiben. Entstanden sind daraus sein erstes Buch "Verbietet das Bauen!" (siehe unsere Rezension Wie der Neubau unsere Innenstädte bedroht - Über Daniel Fuhrhops "Verbietet das Bauen!") sowie der Nachfolger "Willkommensstadt". Wir haben dem Autor und Blogger ein paar Fragen bezüglich seiner Thesen mit Blick auf den ländlichen Raum gestellt.

BAUKULTUR eichsfeld: Herr Fuhrhop, kennen Sie das Eichsfeld?

Daniel Fuhrhop: Vom Eichsfeld weiß ich wenig, außer von den Umbauten des Architekten Stefan Forster in Leinefelde. Nicht weit entfernt, im Harz, war ich des Öfteren (siehe Leerstand im Harz).

BE: Da Sie unsere Region nicht genauer kennen, im Folgenden etwas allgemeiner gefragt: Wäre ein "Bauverbot" auf dem Lande leichter realisierbar als in den Metropolregionen und wenn ja bzw. nein, warum?

Daniel Fuhrhop: Ob in den Metropolen oder auf dem Land, überall hält sich das Dogma, Bauen sei gut, und überall werden die Alternativen zu wenig beachtet - es wird abgerissen, zu viel steht leer, zu wenig wird saniert, zu verschwenderisch mit Platz umgegangen.

Es wäre schön, wenn ein grundlegendes Umdenken allein freiwillig gelänge, doch vielleicht brauchen wir klare Grenzen für den Flächenverbrauch, die bundesweit gelten, und dann auf einzelne Regionen heruntergerechnet werden.

Meines Erachtens gibt es bezüglich Bauen und Nichtbauen weniger Unterschiede zwischen Stadt und Land, sondern mehr zwischen Schrumpfstädten und Schwarmstädten - oder -dörfern. In dieser regionalen Ungleichheit sehe ich eines der Hauptprobleme Deutschlands.

BE: Welche Prinzipien oder "Tugenden", wie z.B. Sparsamkeit oder Neugier, braucht es seitens der Initiatoren und ihrer "Zuhörer", damit in einer ländlichen Gesellschaft die Idee des "Bauverbots" Gehör findet?

Daniel Fuhrhop: Es gibt Hoffnung, dass viele Menschen sich in kleineren Orten mehr mit ihrer Heimat verbunden fühlen als in manchen Großstädten. Man muss nun vom Heimatgefühl aus weiterdenken und kann erkennen, dass Neubau unsere lebendigen Orte zerstört, denn er bildet oft zerstörerische Konkurrenz: Der Fachmarkt oder Großmarkt zerstört kleine Läden in den Orten, das neue Wohngebiet vor der Stadt lockt diejenigen heraus, die wir zur Wiederbelebung leerstehender Häuser innerorts dringend brauchen.

BE: Wie lautet die Alternative für den ländlichen Raum, wenn KEIN Umdenken einsetzt bzw. die "Bauwut" weiter grassiert?

Daniel Fuhrhop: Wenn wir durch Bauwut wie bisher den Charakter unserer Orte kaputtmachen, werden noch mehr junge Leute wegziehen, denn ein anonymer Ort kann nicht begeistern.