Holzstatue krönt Bau(m)kultur am Klüschen Hagis

von Fabian Hesse / 25. April 2016

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Der Hüpstedter Holzbildhauermeister Heinz Günther fertigt eine überlebensgroße Skulptur für die Wallfahrtsstätte. Zur 60. Männerwallfahrt am 5. Mai 2016 soll sie den Wallfahrern präsentiert werden. Fabian Hesse über einen potentiellen Höhepunkt künstlerisch-kultureller Schöpfung im Eichsfeld

In unserem letzten Beitrag über "Religiöse Bauten: Symbole des Glaubens versus Menschenwerk" haben wir festgestellt, dass für die Darstellung der katholisch geprägten Identität der Gemeinde Deuna auf einer Postkarte verschiedene Bilder der Architektur bzw. Baukunst des Ortes genutzt wurden. Auch die Abbildung von eindeutig religiösen Skulpturen wurde in diesem Zusammenhang thematisiert.

BKE_2.jpgBeide, die Architektur und die Bildhauerei, gehören zu den bildenden Künsten und sind somit in gewisser Weise artverwandt. Im Eichsfeld ist der Holzbildhauer Heinz Günther ein bekannter Schöpfer zahlreicher Kunstwerke aus Holz, welche durch ihre bisweilen monumentale Größe und die damit verbundene Unverrückbarkeit am jeweiligen Standort mit massiven Bauwerken vergleichbar sind.

Während Günther im letzten Jahr mit der Schaffung einer vier Meter hohen Sagenfigur, welche seither auf dem Sonnenstein zu bewundern ist, von sich reden machte (siehe TA-Artikel vom 13.11.2015), folgt in diesem Jahr ein nicht minder bemerkenswertes Projekt. Aus Anlass der 60. Männerwallfahrt zum Klüschen Hagis hat die katholische Kirche im Eichsfeld beim Holzgestalter aus Hüpstedt eine überlebensgroße Figur in Auftrag gegeben. Mit ihr erhält der Wallfahrtsort ein neues markantes Wahrzeichen.

Ähnlich wie das im vorigen Bericht beschriebene Dünkreuz bei Deuna, drückt sich in der Skulptur vielleicht neben der Manifestation des christlichen Glaubens auch ein mit diesem Glauben - in früherer Zeit - verbundener Widerstand gegen die herrschende Politik aus (vgl. zur Bedeutung der Männerwallfahrt in der DDR den TA-Artikel vom 23.04.2016).

Atelier_Holzbildhauer.JPGAllgemein gilt: Mit dem Werk des Holzbildhauers, der durch die Bearbeitung seines Roh- und Baustoffs die künstlerische Symbiose von Natur und Kultur eingeht, lässt sich das menschliche Schaffen auf dieser Erde, sein Beitrag für alles, was wir Kultur nennen, perfekt beschreiben – ein Werk, dass auf Langlebigkeit angelegt ist und doch irgendwann vergehen muss und wird, und das dennoch, wird es ernst genommen und als bedeutsam empfunden, ewig bleibt und nachwirkt.

Die Skulptur, welche am 5. Mai zum Jubiläum der Männerwallfahrt enthüllt werden wird, hat somit das Potenzial zu einem großartig verbindenden und erhaltenden Beitrag für die regionale Baukultur, vor allem aber auch für die Glaubens- und Lebenskultur im Eichsfeld.


Link: Der Eichsfelder Holzgestalter Heinz Günther und seine Arbeit