Ein Eigenheim im Eichsfeld

oder warum in Kaltohmfeld kein chinesisches Teehäuschen gebaut wird

von Fabian Hesse / 17. Juni 2015

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Fotos (6): Fabian Hesse

Ramon Krohn (28) und Anna Birkholz (26) verwirklichen sich ihren Traum vom eigenen Haus in Kaltohmfeld. Beim Bau auf dem ehemals elterlichen Grundstück packen drei Generationen mit an. Für das junge Paar ist eine individuelle Gestaltung ihres Eigenheims wichtig, weshalb sie sich gegen ein Standardhaus und für die eigene Planung entschieden haben.

Bauen ist Familiensache

Eigenes Haus, eigene Leistung - Ramon Krohn präsentiert stolz sein Tagwerk.Es ist einer der katholischen Feiertage, wie sie in der ersten Jahreshälfte mehrfach im Kalender der Eichsfelder stehen. Ramon Krohn und Anna Birkholz verabschieden sich gerade von den Großeltern. Es scheint fast so, als würden sich die Parteien nun eine längere Zeit nicht sehen und der Abstand zwischen ihnen wäre bedeutend größer als von Kaltohmfeld bis nach Haynrode, so herzlich fällt das Tschüss-Sagen aus. "Gut, dass Opa derzeit häufig zu Besuch kommt. Er muss ja dafür sorgen, dass es am Bau vorwärtsgeht", erklärt Krohn mit einem Schmunzeln. "Außerdem vermittelt er, wenn mein Vater und ich, weil wir uns zu sehr ähneln, mal wieder nicht einer Meinung sind." Das Tagwerk wurde bereits gegen Mittag beendet. "Heute haben wir an zwei Stellen Dachlatten angebracht. Das hat uns bei der Hitze ganz schön ins Schwitzen gebracht."

Für die Arbeit in luftiger Höhe war auch ein guter Bekannter mit Dachdeckererfahrung vorbei gekommen. Und natürlich Walter Becker, der Opa aus Haynrode. "Vor vierzig Jahren wäre ich auch aufs Dach gestiegen", meint der 76jährige zu seinem Enkelsohn. Dieser lässt daraufhin keinen Zweifel an seiner Wertschätzung für die Hilfeleistungen des Großvaters: "Ohne gescheites Bodenpersonal geht überhaupt nichts, Opa!"

Nachdem die Szene des Abschieds vorüber ist, schlendert das junge Paar zur Baustelle, um das bisher Erreichte in Augenschein zu nehmen. Seit dem ersten Spatenstich Mitte März ist in der Talstraße 3 der Rohbau eines geräumigen Einfamilienhauses nebst Doppelgarage entstanden. Die beiden, deren Autos in Zukunft darin frostfrei geparkt werden können, sind mit dem Baufortschritt sichtlich zufrieden: "Alles hat soweit problemlos geklappt. Am Tag nach Christi Himmelfahrt konnten wir mit insgesamt 25 Helfern in der neuen Garage unser Richtfest feiern."

Ein helles Büro erlaubt das Arbeiten im Homeoffice

bauherrin.jpgBauherrin Anna Birkholz freut sich, dass die Arbeiten am Haus gut voran gehen. Im Haus selbst sind auf zwei Etagen mit insgesamt 193 Quadratmetern Fläche die geplanten räumlichen Lebensverhältnisse der Bewohner bereits gut zu erkennen. Zentraler Bestandteil unten ist, was die beiden als ihren Wintergarten bezeichnen. Dieser gehört mit breiten Öffnungen für zwei markante Fensterfronten zu einem offenen Wohn- und Essbereich. Einzig nach oben hin ist der Raum geschlossen. Richtung Westen fällt das Dach etwas länger ab und bietet somit auch außerhalb Schutz vor Sonne und Regen.

Um ins Obergeschoss zu gelangen, ist noch eine Leiter notwendig. Zum Aufstieg lässt der Bauherr seine Manieren nicht vermissen und reicht seiner Verlobten die haltende Hand. Oben angekommen, werden das zukünftige Schlafzimmer und die beiden Kinderzimmer durchschritten. Dank einer großen Gaube auf jeder Dachseite gibt es außerdem Platz für ein großzügiges Bad und ein Büro. "Damit ich auch mal von zuhause aus im Homeoffice arbeiten kann", erklärt Anna Birkholz.

Wie im Erdgeschoss, strömt auch im ersten Stock des Hauses helles Tageslicht durch hohe Fensteröffnungen ins Innere. Nach oben ist der Blick noch frei bis in den Dachstuhl. "Auf dem Dachboden kann vielleicht später eines der Kinder einziehen, wenn es ihm hier unten zu eng wird", blickt das Paar weit voraus.

Die Besichtigung von Musterhäusern brachte Anregungen für die eigene Planung

Dachstuhl_von_unten.jpgSchließlich ist man wieder unten und durch die Türöffnungen in der Küche auf einer ebenfalls überdachten Fläche angelangt, die unmittelbar in den zur Straße gelegenen Hof übergeht. Eine vor Ort gegossene Betonsäule mit nicht ganz glatter und damit interessanter Oberflächenstruktur – Er: "Das könnten wir eigentlich so lassen." – Sie: "Mal sehen" - dient als Stütze für den Überbau.

Im Garten auf der Westseite waten die beiden durch das hohe Gras einer Sommerwiese. Ihr 1032 Quadratmeter umfassendes Grundstück, auf dem vor einigen Monaten noch Kartoffeln geerntet wurden, endet ein paar Meter vom Haus entfernt. Ein weiteres, noch leeres Baugrundstück schließt sich nahtlos an. Den Nachbarn, der hier bald bauen will, kennt Krohn bereits bestens: "Das ist mein Cousin."

Holzreste_Korb.jpgNach der Baubesichtigung lockt an diesem ansonsten arbeitsfreien Tag erneut die Sitzecke des elterlichen Gartens, wo sich bei einer Tasse Kaffee ein ausführliches Gespräch über das Warum und Wie eines Hausbaus entfaltet. Anna Birkholz schildert, wie sie und ihr Verlobter die Sache mit dem Bauen angegangen sind: "Wir haben uns lange informiert, sind durch Wohngebiete und auf Ausstellungen von Musterhäusern bis nach Leipzig und anderswo gefahren. Wir wollten sehen, welche Möglichkeiten es alles gibt, ein Einfamilienhaus zu errichten."

"Wir könnten hier auch ein chinesisches Teehaus bauen"

Die Entscheidung, in Kaltohmfeld zu bauen, begründen die beiden mit der Nähe zur Familie. "Wenn wir einmal Kinder haben, ist das ideal. Zusammen mit der Ruhe und der Natur." Viele junge Menschen und ein gutes Gemeinschaftsleben kämen hinzu, sowie für den eingeborenen Krohn – seines Zeichens stellvertretender Ortsbürgermeister – die Bindung an zahlreiche Vereine und Gruppen.

Für den Bau direkt neben Krohns Eltern sprächen zudem noch ganz praktische Gründe: "Hier gibt es keinen Bebauungsplan und damit kaum Vorgaben." Theoretisch könne demnach in der bisherigen Baulücke am Ortsrand auch etwas ganz Exotisches entstehen. "Unser Architekt hat anfangs ein chinesisches Teehaus vorgeschlagen." Ganz so außergewöhnlich wollten es die Eigenplaner dann doch nicht. "Hauptsache viel Licht und Platz - plus ein paar Extras."

Haus_Doppelgarage_Front.jpgDass allein dies mit einem Standardhaus aus Fertigteilen nur schwer umsetzbar ist, hätten beide, wie sie sagen, schnell festgestellt. "Solche Modelle mögen zunächst günstiger erscheinen. Doch wenn man mehr als drei Steckdosen und die übliche Anzahl Fenster möchte, ist es am Ende auch nicht günstiger." Aus Foren im Internet hätten sie erfahren, dass für ein massives Fertighaus durch die Abweichung vom vorgegebenen Standard allein für die Elektrik bis zu 7000 Euro Zusatzkosten anfallen können. "Und das ist nur ein Gewerk", rechnet Krohn vor.

Als fachfremder Bauherr stellt man viele Fragen

Trotz ihrer aufwendigen Recherchen zum Thema Hausbau, sind der Grundschullehrer und die Kreisoberinspektorin weit davon entfernt, sich als Profis am Bau zu bezeichnen. Zu den ständigen Beratern würden daher neben dem Architekten, der ein Freund der Familie ist, sämtliche anderen Verwandten und Bekannten mit Bauerfahrung gehören. "Wir fragen viel", sagt sie. Er stimmt zu, relativiert jedoch sogleich: "Man darf nur nicht zu viele Meinungen einholen, sonst wird man verrückt. Wichtig ist, dass wir uns einig sind."

Bisher sei dies gut gelungen, nur bei Kleinigkeiten würden die Meinungen gelegentlich auseinander gehen. "Ob die Außensteckdosen wirklich Dauerstrom brauchen, klären wir noch. Für die Einrichtung der Küche haben wir ja auch einen Kompromiss gefunden." Die Blicke, welche beide während dieser Worte des Mannes austauschen, bestätigen es: Hier harmonieren zwei.

Während der Nachmittag in den Abend übergeht, braten bereits ein paar gute Eichsfelder Würste auf dem gemauerten Grill neben der Sitzecke. Krohns Vater wendet sie und stellt auch gleich die Frage nach der Getränkewahl. Die jungen Häuslebauer nehmen Platz und freuen sich auf den gemütlichen Teil des Tages – Feierabend.