Eichsfelder Unternehmen schreibt Energieeffizienz groß

von Fabian Hesse / 15. Juli 2016

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Fotos (6): F. Hesse

Der Transformatorenhersteller KTB aus Dingelstädt erzielte mit einer energetischen Sanierung beachtliche Verbesserungen an ungeahnter Stelle. Hinzu kam eine Auszeichnung des Landes Thüringen. Weitere Schritte der Optimierung sollen folgen. Mit speziellen KMU-Programmen fördert der Staat die Bemühungen um eine effizientere Nutzung von Wärme- und Elektroenergie in Unternehmen.

Dingelstädter Unternehmen schafft eigene Energiewende

Heribert Wiederhold freut sich. Der Betriebsleiter der KTB Transformatorenbau GmbH aus Dingelstädt kann auf eine überaus erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens, welchem er selbst seit 38 Jahren angehört, verweisen. Als Produktions- und Montageunternehmen für Spulen und Transformatoren haben sich die Dingelstädter in 60 Jahren europaweit einen Namen gemacht. Das Kundenspektrum erstreckt sich von der Elektronik- und Elektroindustrie über die Energiebranche bis hin zur Medizintechnik.

KTB.jpgWas die Firma neben ihren spezifizierten Produkten zum Innovationstreiber macht - und worüber Wiederhold entsprechend gerne berichtet - ist die seit 2012 erfolgreich vollzogene betriebsinterne Energiewende. "Wir haben es innerhalb von zwei Jahren geschafft, unseren Energiebedarf um 36 Prozent zu verringern", erklärt der Betriebsleiter.

Welchen Gewinn diese Veränderung für das mittelständische Unternehmen bedeutet, zeigt sich beim Blick auf die zahlreichen Stromverbraucher am Standort und deren Größenordnungen. Unter anderem zur Trocknung der hergestellten Transformatoren in speziellen Öfen wird viel Energie benötigt. Doch die wirklichen "Stromfresser" sollten im Zuge des Energieeffizienzprojekts an anderer Stelle gefunden werden.

Beleuchtung als Stromfresser unterschätzt

"Nachdem wir anhand von bestehenden und neu installierten Energiezählern eine genaue Übersicht unserer Energieströme erstellt hatten, waren wir nicht wenig irritiert", beschreibt Wiederhold den Moment der Erkenntnis im Frühjahr 2012. Nicht etwa die zuvor als besonders aufwendig eingeschätzte Transformatorentrocknung sondern die Beleuchtung stellte sich als besonders starker Posten heraus. Die hierfür benötigte Elektroenergie betrug satte 60 Prozent des Gesamtverbrauchs.

Die Gründe dafür wurden bald erkannt:Helle_Halle.jpg "Der extrem hohe Verbrauch war letztlich dem Stand der Technik aus dem Baujahr 1997 und der hohen Beleuchtungsstärke, speziell an den Arbeitsplätzen, geschuldet", berichtet Wiederhold. In der Folge stellte man die gesamte Beleuchtung des Unternehmens auf den Prüfstand. Die bisherigen ineffizienten Leuchten und Vorschaltgeräte wurden schließlich gegen neue Leuchtenträger, inklusive dimmbarer elektronischer Vorschaltgeräte, ausgetauscht. Hinzu kamen Spiegelreflektoren zur weiteren Verstärkung der Lichtintensität.

"Wir haben bei der Umstellung bewusst auf die damals noch mit hohem Investitionsbedarf verbundene LED-Technologie verzichtet. Die von uns eingesetzten T5-Leuchtmittel wiesen 2012 noch die gleiche bzw. eine noch bessere Lichtausbeute in Lumen pro Watt auf", begründet Wiederhold die Wahl der verwendeten Lichttechnik. Die Installation einer dynamischen Lichtsteuerung in weniger frequentierten Bereichen, wie den Regalgängen im Lager, sowie der Einbau von Taglichtsensoren rundeten die Modernisierung im Bereich der Beleuchtung ab.

Variable Leuchtleistung schafft Flexibilität

Für Heribert Wiederhold spricht das Ergebnis der durchgeführten Maßnahmen für sich: "Die optimierte Beleuchtung und ein auf die jeweiligen Bedürfnisse vor Ort abgestimmtes Lichtmanagement bzw. Beleuchtungskonzept haben uns eine beachtliche Einsparung der Energiekosten für diesen Bereich von 57 Prozent beschert."

Trotz der erwähnten Leistungsreduzierung konnte dabei laut Wiederhold eine bessere Beleuchtungsstärke an den jeweiligen Arbeitsplätzen erreicht werden. Gleichzeitig böten die neuen dimmbaren Vorschaltgeräte aufgrund ihres variablen Leistungsbereichs von 32 bis 80 Watt eine hohe Flexibilität. Dies könne bei womöglich später einmal notwendigen Umgestaltungen der Produktionsflächen eine wichtige Rolle spielen, so Wiederhold.

Lager_Sensor.jpgMit den beschriebenen Maßnahmen fand das Projekt "Energieeffizienz" im Unternehmen KTB noch nicht sein Ende. Zu den baulichen Veränderungen kamen weitere Investitionen in den Maschinenpark. Auch das Druckluftnetz sowie sämtliche Umwälzpumpen wurden modernisiert. Ein überdimensionierter Kompressor (92 Prozent Stillstand!) konnte durch ein deutlich schwächeres und damit kostenschonenderes Modell ersetzt werden. Die Effizienzgewinne lagen in diesen Bereichen ebenfalls bei erstaunlichen 61 Prozent.

"Was uns überdies zum begünstigten Kunden unseres Energieversorgers machte, war eine Optimierung unserer Lastgänge", erklärt Wiederhold. Als Lastgang oder auch Lastprofil wird der Energieverbrauch innerhalb eines bestimmten Zeitraums bezeichnet. Hierbei werden erreichte Leistungsspitzen genau dargestellt. "Reduziert man diese, können die Netznutzungskosten entscheidend verringert werden", beschreibt der erfahrene Betriebsleiter das Ziel der Messungen durch ein entsprechendes Softwareprogramm. Im Falle einer Überschreitung der prognostizierten 15-Minuten-Leistungsspitze würden beim Transformatorenhersteller nun automatische Abschaltvorgänge greifen.

Keine Erkenntnisse ohne Monitoring

Im Verlauf des Projekts war für die Beteiligten vor allem das Sammeln und Speichern von Daten entscheidend. "Nur wer seine tatsächlichen Verbräuche und Energieströme kennt, kann sie auch analysieren und steuern", erklärt Heribert Wiederhold die Bedeutung der Datenerfassung.

Um Investitionen in die Energieeffizienz auch nachhaltig zu gestalten, empfiehlt er ein modernes Energiemanagementsystem.Messstelle.jpg Dazu bieten sich seiner Meinung nach verschiedene Software-Lösungen an, welche zwischen 4000 bis 5000 Euro kosten. "Die Einsparung ergibt sich über die Jahre durch einen verminderten Personalaufwand und das frühzeitige Erkennen von Energieeinsparpotentialen", so Wiederhold.

Und noch einen Vorteil nennt er: "Um als kleines oder mittelständisches Unternehmen (KMU) die Stromsteuer nach § 10 StromStG rückerstattet zu bekommen, ist ein Audit nach DIN 16247-1 Voraussetzung." Bei dieser Untersuchung diene das Monitoring, also die genaue Überwachung der Energieströme, als wichtiges Werkzeug.

Geförderte energetische Durchsicht für KMU lohnenswert

Das Beispiel des Transformatorenherstellers KTB zeigt, wie ein relativ kleines aber erfolgreich arbeitendes Industrieunternehmen mit 30 Mitarbeitern seine Betriebskosten dank einer energetischen Durchsicht und anschließenden Sanierung deutlich senken kann.

Im geschilderten Fall stand im Jahr 2014 unterm Strich im Vergleich zu 2012 eine Ersparnis des Elektroenergieverbrauchs um über 50.000 Kilowattstunden sowie eine Verringerung des CO2-Ausstoßes um rund 30 Tonnen (Basis: 580g/kWh). Und das, obwohl im gleichen Zeitraum der Maschinenbestand nicht nur erneuert sondern auch vergrößert wurde.

Die Entscheidung zur betriebseigenen Energiewende wurde für die Firma KTB nicht zuletzt durch attraktive Fördermöglichkeiten leichter. Dazu Wiederhold: "Wir haben über das Programm 'Energieeffizienzmaßnahmen in KMU' mit Unterstützung der Thüringer Aufbaubank 40 Prozent der Investitionskosten übernommen bekommen."

Weitere Möglichkeiten der Förderung bestünden seinem Wissen nach über die KfW-Bank oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die jeweiligen Bedingungen der Förderungen müssten projektbezogen geprüft werden.

EnergieEffizienzpreis nach erfolgreicher Projektumsetzung

Im November 2014 wurde die KTB Transformatorenbau GmbH für die Umsetzung der beschriebenen Projekte mit dem EnergieEffizienzpreis der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA) ausgezeichnet. (Video: Preisträger Thüringer EnergieEffizienzpreis 2014). Der Preis wird seit 2012 für vorbildliche Leistungen um einen sparsamen Energieeinsatz, die Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien verliehen. Bisher konnte in jedem Jahr der Verleihung ein Unternehmen aus dem Eichsfeld die Auszeichnung entgegen nehmen. Dazu zählen folgende Firmen:

• die H. M. Heizkörper GmbH & Co. KG aus Dingelstädt (2012)
• die leitec Gebäudetechnik GmbH aus Heiligenstadt (2013)
• die KTB Transformatorenbau GmbH aus Dingelsädt (2014)
• Helbing mein Lieblingsbäcker GmbH & Co. KG aus Leinefelde (2015)

Für KTB ist das mehr als erfolgreiche Effizienzprojekt Ansporn zu weiteren Maßnahmen. So bietet sich an der Ost- und Südseite des Produktionsgebäudes die Nutzung einer PV-Anlage an. Die PV-Module könnten dabei gleichzeitig als Beschattungsflächen für die Fensterbereiche genutzt werden. "Die Amortisation beträgt erfahrungsgemäß etwa acht Jahre", weiß Wiederhold. Desweiteren ist eine Beschichtung der 25 Lichtkuppeln mit Sonnenschutzlack (4everblue) in Vorbereitung, um die beachtliche Sonneneinstrahlung in Form von UV-Strahlen und Wärme zu reduzieren und somit die Arbeitsbedingungen weiter zu optimieren. Die Ideen für die Zukunft reißen also nicht ab. Heribert Wiederhold freut sich darauf.


KTB Transformatorenbau GmbH